Im Reich des Unbewussten

Posted on May 22nd, 2009 May 22nd, 2009 by DerGoaner



Über das bisher noch ungeklärte Phänomen des Schlafe(n)s

VON JAN SEEHUSEN

Jeder glaubt heutzutage genau zu wissen, was Schlaf ist. Doch bei näherer Betrachtung streiten sich Forscher und Gelehrte immer noch darüber.

Der Sinn und Zweck des Schlafes ist keineswegs erfasst. Die ständige Debatte wird von vielen unterschiedlichen Standpunkten aus geführt: Der Schlaf sei ein Vorgang der seelischen „Reinigung“ antworten Psychologen, die die Psychische Hypothese unterstützen. Verschiedene Untersuchungen zeigten ihrer Meinung nach die Zusammenhänge zwischen dem Schlaf und Gedächtnisleistungen auf. Dagegen halten jedoch Vertreter der Regenerativen Hypothese. Der Schlaf ist ihrer Auffassung nach nur für die Erholung des Körpers zuständig, da nur bestimmte Hormone während dieser Zeit ausgeschüttet würden und er wichtige Funktionen wie eine Förderung der Wundheilung übernehme. Biologen hingegen behaupten, der Schlaf diene nach der Adaptiven Hypothese zur Erhaltung des ökologischen Gleichgewichts. Raubtiere schliefen beispielsweise eine lange Zeit, um den Beutetieren so eine Vervielfältigung und die Erhaltung ihrer Art zu ermöglichen.

Der Begriff Schlaf wird in der Enzyklopädie Wikipedia folgendermaßen definiert: Schlaf ist ein Zustand der äußeren Ruhe bei Lebewesen. Die Unterschiede im Vergleich zum Wachzustand sind bei der Betrachtung der Körperfunktionen offensichtlich: Der Puls, die Atemfrequenz und der Blutdruck nehmen ab, die sich verändernde Gehirntätigkeit lässt sich mit Hilfe eines EEG ebenfalls messen. Letztere variiert jedoch auch im Schlaf während der verschiedenen Schlafphasen noch. Als das Schlafstadium I wird die Zeit kurz nach dem Einschlafen bezeichnet, man befindet sich noch in einem leichten Schlaf. Dort gehen die Alphawellen, die bei Entspannung auftreten, allmählich in Thetawellen, die bereits einen tieferen Schlaf kennzeichnen und ebenfalls Hauptbestandteil des Schlafstadiums II sind. Das Schlafstadium III mit allmählich eintretenden Deltawellen weist auf die Einleitung des Tiefschlafstadiums (Schlafstadium IV) hin. Die Schlafstadien werden mehrere Male während einer Nacht durchlebt und wechseln sich ab. Wenn also ein Schüler nach sieben Stunden erholsamen Ruhens durch das Klingeln des Weckers aus dem Schlaf gerissen wird, ist es kein Wunder, wenn er dann verschlafen in die Schule torkelt: Er wurde mitten in seiner letzten Tiefschlafphase geweckt (kürzer).

Interessant ist, dass sich die Änderung des Schlafverhaltens im fortschreitenden Alter eines Menschen tatsächlich an der Messung des EEGs messen lässt: Ältere Menschen erreichen das Tiefschlafstadium manchmal gar nicht mehr. Jedoch ist die Abwechslung der Schlafphasen auch bei jungen Menschen keineswegs gleichmäßig. Die Tiefschlafphasen nehmen im Laufe des Schlafes immer mehr ab. Stattdessen tritt eine bisher unberücksichtigte Schlafphase in den Vordergrund: neben den vier „normalen“ Schlafphasen, die gemeinhin auch als NREM-Schlaf bezeichnet werden, gibt es auch den REM (englisch: Rapid Eye Movement, deutsch: schnelle Augenbewegung) – Schlaf. Von den Körperfunktionen unterscheidet sich der REM Schlaf insofern vom NREM-Schlaf, als dass in ihm auch oft Erhöhungen des Blutdrucks und der Atemfrequenz auftreten können. Auch die Gehirntätigkeit verändert sich nun, es treten Betawellen auf. Der REM-Schlaf ist eingebunden in den Zyklus der anderen Schlafphasen, er findet sich meistens nach einer der tieferen Schlafphasen. Dieser Zeitraum des Schlafes ist Gegenstand vieler Forschungen. Viel, unter anderem die veränderte Gehirntätigkeit, die fast der der Aufmerksamkeit im Wachzustand entspricht, spricht dafür, dass in dieser Phase geträumt wird. Der REM-Schlaf ist jedoch nicht nur dem Menschen eigen, er lässt sich ebenfalls bei vielen Tierarten beobachten. Forscher streiten sich nun darüber, was dort geschieht: Ist er für die Stressbewältigung, für die Verarbeitung der Erinnerungen des Tages oder gar für die Triebregulierung notwendig?

schlaf

Die Frage nach der Sinnhaftigkeit des Schlafes kann also in absehbarer Zeit nicht gelöst werden. Wie auch? Zu unterschiedlich sind die Untersuchungen am Beispiel des REM-Schlafes: Während manche Versuchspersonen bei Entzug des REM-Schlafes vermehrt zu sexuellen und aggressiven Handlungen neigten, konnten andere Versuchspersonen dies ohne eine erkennbare Verhaltensänderung mühelos ertragen.

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